Samstag, 14. April 2018

SV 04 Plauen-Oberlosa - NHV 21:26 (13:10)

Nummer 100!

Der 100. Sieg in der Vereinsgeschichte des NHV Concordia Delitzsch ist perfekt. Am Sonnabend gewann die Mannschaft von Trainer Wladimir Maltsev 26:21 (10:13) beim SV Plauen-Oberlosa und steht damit nun punktgleich mit dem SVP auf Rang vier der Mitteldeutschen Handball-Oberliga.
„Das war ein toller Kampf. Und natürlich sind wir froh, in so einem geilen Spiel unseren Fans den 100. Sieg schenken zu können“, jubilierte Maltsev anschließend. Kapitän Jan Jungandreas fand es „extrem cool, was wir in der zweiten Halbzeit gespielt haben“ und sprach von einer tollen Mannschaftsleistung.
Delitzsch kam hervorragend ins Spiel und führte schnell mit 3:0. Plauens Trainer Petr Hazl sah sich dadurch veranlasst, bereits jetzt eine Auszeit zu nehmen. Diese verhalf dem Gastgeber nicht nur sein Spiel neu zu ordnen, sondern er legte jetzt richtig los. Mit fünf Toren in Folge nach der Auszeit brachte er die Halle förmlich zum Beben. Der NHV dagegen verlor völlig seinen Spielfaden, auch wenn die Mannschaft noch mal zum 5:5 ausgleichen konnten. Im Angriff lief kaum noch was zusammen und die Abwehr war irgendwie immer einen Schritt zu spät. „Wir haben ein paar Fehler gemacht, was Plauen gnadenlos ausgenutzt hat“, befand Maltsev und stellte auf eine 4:2-Abwehr um. Damit gelang es zumindest, den Rückstand bis zur Pause in Grenzen zu halten. Mehr noch: Vier Minuten vor dem Wechsel waren die Concorden wieder bis auf ein Tor herangekommen. Doch mit zwei Kontertoren von Plauen-Oberlosa, die seiner Mannschaft nicht gut tun sollten, wie Hazl später analysierte, ging es in die Kabinen.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit dann dasselbe Spiel. Delitzsch begann abermals sehr druckvoll und verkürzte den Rückstand nicht nur, sondern ging seinerseits wieder mit 16:14 in Führung. Aber anders als in der ersten Halbzeit ließ der NHV jetzt nicht nach. Auch eine zweifache Bestrafung gegen Oliver Wendlandt und die damit verbundene Rote Karte konnte die Gäste nicht mehr aus dem Konzept bringen. Die Hausherren schafften es zwar, noch einmal zum 17:17 auszugleichen, doch nach der folgenden Auszeit von Wladimir Maltsev stand die Concordia-Abwehr wie ein Fels in der Brandung und im Angriff wurde fast jeder Ball sicher verwandelt.
Auch eine weitere Auszeit der Gastgeber konnte den Lauf der Delitzscher nicht mehr stoppen. So war dann, beim Stand von 23:17 für die Gäste, das Spiel quasi entschieden. In den letzten Minuten konnte sich dann die Mannschaft von den wieder zahlreichen mitgereisten Fans lautstark bejubeln lassen. Maltsev beschrieb die Leistung der zweiten Halbzeit folgendermaßen: „Im Angriff gefährlich und diszipliniert und in der Abwehr beweglich und aggressiv. Ein Riesenkompliment an die Jungs, dass sie nie aufgegeben haben und nach Olis Disqualifikation noch enger zusammengerückt sind.“
Am 28. April steigt übrigens das letzte Heimspiel der Saison. Dann empfängt der NHV Abstiegskandidat Glauchau/Meerane und kann mit einem Heimsieg bei gleichzeitiger Schützenhilfe der Konkurrenz sogar noch auf Platz zwei klettern. Das wäre natürlich ein irres Abschiedsgeschenk für die scheidenden Leistungsträger Jan Jungandreas, Danny Trodler und Oskar Emanuel.
Sven Sauerbrey / Jens Teresniak, Leipziger Volkszeitung vom 16.April 2018

Samstag, 7. April 2018

NHV - HC Burgenland 28:28 (14:16)

Remis für NHV - Kapitän hört auf

Prognosen sind bekanntermaßen eine schwierige Sache. Vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. Das schrieb einst der US-Erzähler Mark Twain. Manchmal aber treffen die Vorhersagen zu. Sie erwarte ein „kämpferisches und enges Spiel“, sagte Ines Seidler, Trainerin des Handball-Männer-Oberligisten HC Burgenland, vor der Partie am Sonnabend beim NHV Concordia Delitzsch. Nordsachsen- Coach Wladimir Maltsev hatte das ähnlich prophezeit. Er rechne mit einem „kämpferischen und spannenden Spiel“. Und so kam es auch: Die Partie endete ausgeglichen 28:28 (14:16). „Ich kann mit dem Punkt gut leben“, kommentierte Seidler. „Das Remis ist gerecht“, pflichtete Maltsev ihr bei. Seine Mannschaft steht damit weiterhin auf dem vierten Platz, die Gäste aus Naumburg bleiben auf Rang sechs. Den Meistertitel und somit den Aufstieg in die Regionalliga holte sich am Wochenende erwartungsgemäß LVB Leipzig mit einem 34:24-Erfolg bei der HSG Freiberg. Die Concorden warten weiterhin auf den 100. Sieg seit der Gründung 2010. „Schade, dass wir den Fans das heute nicht schenken konnten“, bedauerte NHV- Rückraumwerfer Lucas Mittag, der für seine sieben Tore von den eigenen Fans zum Delitzscher Spieler des Tages geehrt wurde.
Die Begegnung stand dabei im Zeichen von fünf Spielern. Neben Mittag waren das auf NHV-Seite Kreisläufer Clemens Schlegel, der ebenfalls sieben Treffer erzielte, und Torwart Helix Herholc, der 15 Paraden zeigte und damit seinem Burgenland-Gegenüber Max Neuhäuser (18 gehaltene Bälle) kaum nachstand. Neuhäuser hütete in der vergangenen Saison noch den Delitzscher Kasten. „Es ist schon etwas Besonderes, gegen den alten Verein zu spielen“, sagte er. Aber er bemühe sich stets, fokussiert zu sein, gab sich trotz der Top-Leistung ganz bescheiden. „Er hat glänzend gehalten“, lobte dagegen NHV-Shooter Danny Trodler. „Max hat sehr stark gespielt“, schloss sich Concordia-Kapitän Jan Jungandreas dem an. Überragender Akteur in der Delitzscher Mehrzweckhalle war allerdings Kenny Dober mit 12 Toren für Burgenland.
Von Beginn an entwickelte sich eine ausgeglichene Begegnung mit hohem Tempo. Beiden Teams war anzumerken, dass sie mit dem Abstieg nichts zu tun hatten. So wurde im Angriff gut kombiniert, die Deckungsreihen waren dagegen häufig so löchrig wie ein Schweizer Käse. In der Offensive wurde gut kombiniert, allerdings gab es, so Seidler, „ganz viele Fehler“. Auch Maltsev kritisierte, dass speziell in der ersten Halbzeit so mancher Pass nicht den Mitspieler fand. Der 14:16-Rückstand war folgerichtig. Nach dem Seitenwechsel fanden die Gastgeber etwas besser zu ihrer Linie und gingen in der 51. Minute mit 25:24 in Führung. Kurz danach fehlte das Glück, als Sascha Meiner die Latte traf, und Pech kam oben drauf, da Oliver Wendlandt den Ball an den Pfosten hämmerte. Die Gäste gaben nicht auf und sicherten sich so das Unentschieden.
„Kleinigkeiten sind auf diesem Niveau entscheidend“, bewertete Jungandreas das Endresultat in einem Spiel „auf Augenhöhe“. Die 30- jährige Vereins-Ikone sprach da fast schon wie ein Trainer – ein Vorgriff auf die kommende Saison. Denn der Rechtsaußen, der in den vergangenen Jahren mehrere schwere Verletzungen verkraften musste, beendet seine Spielerlaufbahn und wird Co-Trainer von Wladimir Maltsev. „Man sollte zum richtigen Zeitpunkt aufhören und nicht warten, bis die Zuschauer einen als Spieler nicht mehr sehen können“, so der baldige Ex-Spieler.
Am nächsten Sonnabend treten die Delitzscher beim Tabellendritten Plauen-Oberlosa an. Maltsev wagte keine exakte Prognose, denn er weiß, dass die Zukunft ihr gerne eine Nase dreht. „Es wird nicht einfach dort.“ Ziel sei aber in den letzten drei Partien der Saison „maximal Punkte zu machen“. Zu hoffen ist, dass im Heimspiel am 28. April gegen den HC Glauchau/Meerane die Anzeigetafel wieder vollständig funktioniert. Das laufende Ergebnis wurde zwar angezeigt, nicht aber die Uhrzeit.
Ulrich Milde, Leipziger Volkszeitung vom 9.April 2018

Samstag, 31. März 2018

HC Aschersleben - NHV 25:25 (13:13)

Delitzsch fischt im Trüben einen Punkt

Die Handballer des NHV Concordia Delitzsch sind im Oberliga- Nachholspiel beim HC Aschersleben nicht über ein 25:25 (13:13) hinausgekommen. Mit diesem Remis festigten sie aber ihren vierten Tabellenrang.
„In der letzten Saison haben wir gegen Aschersleben drei Minuspunkte kassiert, in dieser Saison drei Pluspunkte geholt. Ich habe ein sehr kämpferisches Spiel gesehen. Jeder hat alles gegeben, um zu gewinnen“, sagte Trainer Wladimir Maltsev: „Für mich ist das ganz klar ein gewonnener Punkt, weil Aschersleben sehr heimstark ist. Selbst LVB hat hier nur Remis gespielt.“
Das Gästeteam hatte mit einigen personellen Problemen zu kämpfen. Martin Müller fehlte wegen eines Handbruchs, den er im Abschlusstraining erlitten hatte – für ihn ist die Saison leider vorbei. Oskar Emanuel konnte auflaufen, war jedoch wegen eines ausgekugelten Fingers an der Wurfhand stark gehandicapt. Tobias Bauske und Patrick Baum fehlten ebenfalls verletzungsbedingt, somit standen Trainer Wladimir Maltsev nur zehn Feldspieler zur Verfügung.
In der spärlich beleuchteten Ballhaus-Arena begann das Spiel mit hohem Tempo, das Tor trafen anfangs allerdings nur die Gastgeber. Concordia spielte engagiert, aber mit zu vielen Fehlern im Angriff. In der vierten Minute konnten die Delitzscher Fans jubeln, Jan Jungandreas erzielte den ersten Treffer der Loberstädter. Bereits in dieser Anfangsphase zeigte sich, dass beide Mannschaften wollten, sich aber immer wieder durch viele technische Fehler selbst ausbremsten. So wogte das Spiel hin und her, kein Team konnte sich absetzen.
Die Abwehr, Delitzschs Prunkstück der letzten Wochen, wollte diesmal nicht so recht funktionieren. Besonders Carsten Kommoß und Clemens Grafenhorst nutzten die Lücken in der Delitzscher Deckung. Das 13:13 zur Halbzeitpause entsprach dann auch dem Spielverlauf.
Mit Anpfiff zur zweiten Halbzeit legten die Gastgeber eine Schippe drauf und lagen schnell drei Tore vorn. Das wollte der NHV dann doch nicht auf sich sitzen lassen und übernahm die Initiative. So ging Concordia in der 42. Minute mit 18:17 in Führung. Allerdings reagierten die Gastgeber mit einer Umstellung der Deckung, damit kam der Delitzscher Angriff nur schwer zurecht. So folgte eine achtminütige Torflaute des Tabellenvierten.
Aschersleben nutzte dies und ging in der 50. Minute mit 21:18 in Führung. War das eine Vorentscheidung? Nein, die Jungs vom Lober zeigten jetzt echten Kampfgeist und legten einen beeindruckenden Zwischenspurt hin. In Minute 57 war das Spiel gedreht, es stand 25:23 für Delitzsch. Die lautstarken Gäste-Fans gaben jetzt alles, zwei Auswärtspunkte waren in Reichweite. Leider hatte Alexander Weber auf Seiten der Gastgeber etwas dagegen, er erzielte schnell zwei Treffer und es stand reichlich eine Minute vor Schluss 25:25. In dieser spannenden Endphase hatte Jan Jungandreas zweimal die Gelegenheit, den Siegtreffer zu erzielen, allein der starke Ascherslebener Torhüter Mantas Gudonis hatte etwas dagegen. Das erste Unentschieden der Saison war letzten Endes ein Resultat, das dem Spielverlauf gerecht wurde.
Kapitän Jan Jungandreas meinte: „Beide Mannschaften haben viele Fehler gemacht, ohne dass eine der beiden Teams so richtig Kapital daraus schlagen konnte. Wir lagen zehn Minuten vor Schluss mit drei Toren zurück. Deshalb ist der Punkt ein gewonnener. Aber wenn der letzte Wurf reingeht, gewinnen wir vielleicht. Deshalb auch ein verlorener.“
Hartmut Sommerfeldt / Jens Teresniak, Leipziger Volkszeitung vom 3.April 2018

Sonntag, 25. März 2018

SG LVB Leipzig - NHV 25:23 (12:13)

Concordias Siegesserie ist gerissen

Der Siegesbaum wächst auch für die Oberliga-Handballer des NHV Concordia Delitzsch nicht in den Himmel. Die Nordsachsen haben den zehnten Doppelpunktgewinn in Folge verpasst. Beim Tabellenführer SG LVB Leipzig unterlag der NHV gestern knapp mit 23:25 (13:12) und fiel mit nunmehr 26:16 Zählern um einen Platz auf den vierten Rang zurück. Die Heimmannschaft ist dem großen Ziel des Wiederaufstiegs in die 3. Liga einen großen Schritt näher gekommen und liegt mit 38:6 Punkten sieben Zähler vor der HG Köthen, die überraschend beim Tabellenvorletzten Glauchau mit 19:29 verlor. LVB-Trainer Enrico Henoch lehnte vorzeitige Glückwünsche ab. „Wir sind noch nicht durch, es sind noch vier Spiele“, sagte er. Den Gästen, die in eigener Halle im November beim 20:27 ohne jede Chance waren, bescheinigte der LVB-Coach eine gute Leistung. „Wir waren ein kleines bisschen besser.“ Mannschaftskapitän Steve Baumgärtel, der einst für Delitzsch in der zweiten Liga auflief, war glücklich über den schwer erkämpften Erfolg. Die Concorden seien ein starker Gegner gewesen. „Mit neun Siegen in Folge tritt man einfach mit breiter Brust auf.“
Und das tat der NHV vor allem in der ersten Halbzeit. Die anfängliche Führung der Heimmannschaft ließ die Delitzscher unbeeindruckt, in der 13. Minute zogen sie durch einen Treffer von Lucas Mittag in Front und verteidigten den Vorsprung bis zum Halbzeitpfiff. Dabei tat sich der Angriff gegen die Leipziger Mittelblock-Hünen Thomas Oehlrich (1,98 Meter), Steve Baumgärtel (1,91 Meter) und Clemens Uhlig (1,98 Meter) zwar schwer, fand aber immer wieder Lücken.
Nach dem Seitenwechsel kamen die Straßenbahner zurück in die Erfolgsspur und setzten sich etwas ab. Vor allem der 20-jährige Linksaußen Marc Esche war von der Abwehr nie in den Griff zu kriegen und mit neun Treffern der überragende Torschütze. Die Offensiv-Maschine des LVB lief immer dann gut, wenn Tempo in der Partie war. Da wies das Umkehrspiel der Delitzscher, die ansonsten in der Defensive konsequent zugriffen, Steigerungspotenzial auf. Der NHV gab aber nicht auf, kämpfte sich immer wieder heran und hätte durchaus ein Unentschieden erreichen können. „In der entscheidenden Phase ist es uns nicht gelungen, das Tor zu treffen, da hatten wir auch kein Glück“, sagte Concordia-Coach Wladimir Maltsev, der von einem „guten Spiel mit viel Tempo“ sprach. Oliver Wendlandt, der die Abwehr glänzend organisierte, sah eine „klare Steigerung“ gegenüber dem Hinspiel. Der Sieg der Messestädter „ist um zwei Tore zu hoch ausgefallen“, meinte er mit einem Augenzwinkern.
Ulrich Milde, Leipziger Volkszeitung vom 26.März 2018

Samstag, 17. März 2018

NHV - HSV Apolda 31:27 (15:12)

Concordia-Handballer klettern auf Rang drei

Die Siegesserie des NHV Concordia Delitzsch in der Handball-Oberliga geht weiter. Das 31:27 (15:12) gegen den HSV Apolda war bereits der neunte Erfolg hintereinander – das Team von Trainer Wladimir Maltsev kletterte zudem auf den dritten Tabellenplatz. Die Gäste gingen nach sieben Partien ohne Niederlage erstmals wieder als Verlierer vom Parkett.
„Für mich war das der schwierigste der letzten neun Siege. Ich bin sehr froh, dass es gelungen ist, die Mannschaft wieder richtig heiß zu machen“, sagte Maltsev: „Die Jungs haben eine sehr gute Arbeit geleistet. Im Angriff haben wir uns mit der nötigen Geduld gute Wurfpositionen erspielt. Und in der Abwehr konnten wir Apolda immer wieder unter Druck setzen und uns Ballgewinne erkämpfen.“
Wenn der drittbeste Angriff der Liga auf den zweitschlechtesten trifft, dann sollte rein statistisch eigentlich nichts schief gehen. Aber Apolda ist seit der Rückkehr von Bojan Mirilo auch im Angriff deutlich stabiler und variabler geworden. Der NHV war also gewarnt, das Spiel nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Mit einer stabilen Abwehr und konzentrierten Abschlüssen erarbeitete sich Delitzsch schnell einen 4:1-Vorsprung. Doch die Gäste hielten voll dagegen und verkürzten postwendend – 4:3. Doch Delitzsch ließ sich davon nicht beeindrucken und erspielte sich abermals eine Drei-Tore-Führung. Diese gab der NHV auch bis zur Pause nicht wieder aus der Hand. Von der starken Abwehr der Gäste war bis zu diesem Zeitpunkt recht wenig zu sehen, obwohl sich der NHV immer wieder mal einfache Fehler erlaubte.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit verfiel Delitzsch wieder einmal in seinen alten Trott und ließ den Gegner schnell – zu schnell – den Rückstand aufholen. Beim Stand von 18:17 konnten die Thüringer aber einen Konter nicht zum Unentschieden unterbringen. Wer weiß, wie das Spiel dann verlaufen wäre. Vielleicht war das aber auch der Weckruf, den der NHV benötigte, um endlich wieder in die Gänge zu kommen. Denn mit vier Toren in Folge wurde der Vorsprung auf 22:17 ausgebaut. Apolda versuchte nun alles – in Form des siebten Feldspielers oder durch seinen überragend aufspielenden Florian Folger. Dieser warf allein 15 Tore für die Gäste! Aber manchmal standen sich die Apoldaer auch selbst im Weg. Jede Entscheidung der Schiedsrichter wurde kommentiert. Egal, ob auf der Platte oder von der Bank aus. So erhielten die Gäste innerhalb einer Minute drei Zeitstrafen. Doch die Delitzscher bestraften diese Disziplinlosigkeiten nicht. Apolda traf sogar in dreifacher Unterzahl und hielt das Spiel weiter offen.
In den letzten Minuten konnte dann aber Delitzsch das Spiel doch recht sicher für sich gestalten und gewann am Ende verdient mit 31:27. Am nächsten Sonntag geht es dann zum Tabellenführer nach Leipzig. Sollte gegen die SG LVB die Sensation gelingen, dann wäre es nicht nur der zehnte Sieg in Folge, sondern auch der 100. seit der Gründung des NHV. Mit vermutlich zahlreicher Unterstützung der Delitzscher Fans wird die Mannschaft alles versuchen. Kapitän Jan Jungandreas dürfte dann nach Zwangspause wieder dabei sein – seit drei Wochen plagt er sich mit einer Bauchmuskelzerrung.
NHV-Vizepräsident Sören Raab hatte den fehlenden Teammanager Marko Bergelt ersetzt, war mit dem Auftritt der Truppe zufrieden. „Gefühlt hatten wir das Spiel eigentlich die ganze Zeit im Griff. Apolda blieb zwar dran, aber immer wenn es eng wurde, hatten wir die richtige Antwort“, sagte Raab: „Leider konnte Florian Folger machen, was er wollte. Ihn haben wir überhaupt nicht in den Griff bekommen. Wir haben alles versucht, aber bei ihm war jeder Schuss ein Treffer. Zum Glück war das nicht spielentscheidend, denn auch wir hatten im Angriff immer wieder Lösungen parat.“
Sven Sauerbrey / Leipziger Volkszeitung vom 19.März 2018

Samstag, 10. März 2018

HSG Freiberg - NHV 25:39 (14:16)

NHV Concordia Delitzsch stellt Vereinsrekord ein

In der sehr gut besuchten Ernst- Grube-Halle in Freiberg feierten die Oberliga- Handballer aus Delitzsch am Wochenende nicht nur ihren achten Sieg in Folge. Nein, sie schossen in der zweiten Halbzeit den Gastgeber förmlich aus ihrem Dachsbau. Der 39:25- Auswärtssieg war zugleich die höchste Heimniederlage für Freiberg in der Mitteldeutschen Oberliga..
Trainer Wladimir Maltsev zeigte sich anschließend selbstredend erfreut: „Wir sind heute mit einem so dünnen Kader aufgelaufen, wie noch nie in dieser Saison. Aber trotzdem konnten wir alles umsetzen, was wir uns vorgenommen hatten. Dafür ein großes Kompliment an die Jungs.“ In Anbetracht des wieder einmal dünnen Kaders waren die Vorzeichen eigentlich alles andere als gut. Dass der NHV aber in diesem Jahr über sich hinauswachsen kann, hat er bereits mehrmals bewiesen. Delitzsch ging in der nervösen Anfangsphase mit 1:0 und 2:1 in Führung und Freiberg glich diese postwendend aus. Doch das 2:2 war das letzte Unentschieden in diesem Spiel.
Die Angriffe wurden nun zielstrebig und vor allem erfolgreich ausgespielt. Durch diese hohe Effektivität im Angriff, gelang es Freiberg nicht ihr gefürchtetes Konterspiel aufzuziehen. Dass bereits in der ersten Halbzeit alle drei Torhüter eingewechselt wurden, sagt wohl alles.
„Wichtig war, dass wir lange mitgehalten haben und unseren Spielplan nie in Frage gestellt haben“, so Maltsev, „den Bruch im Freiberger Spiel haben wir dann eiskalt ausgenutzt. Der zweite Faktor war, dass wir in der Abwehr zusammen mit den Torhütern gut aufgetreten sind. Und die gute Wurfquote war natürlich auch entscheidend.“ Die Gastgeber kämpften sich noch einmal auf 7:8 heran und einige Zuschauer skandierten „Macht sie alle, schießt sie aus der Halle“, doch das schien eher den NHV zu beflügeln. Denn der Vorsprung wurde postwendend wieder ausgebaut.
Dass der letzte Angriff dann durch einen Fehlpass zum ersten Kontertor von den Freibergern führte, war an diesem Abend nur eine Randerscheinung. Die zweite Halbzeit gestaltete sich für die Dachse aus Freiberg zu einem wahren Debakel. Unglaubliche 23 Gegentreffer mussten sie in diesen 30 Minuten verdauen, während die Delitzscher nur elf Treffer zuließen. Der überragende Felix Herholc im Tor brachte die Gastgeber immer wieder zur Verzweiflung. So wurde der Vorsprung von 18:21 auf 20:33 ausgebaut und in der Halle wurde es immer ruhiger. Egal was sie auch versuchten, Delitzsch hatte immer wieder eine Antwort parat.
Bei fast jedem Angriff zappelte der Ball im Tor der Freiberger, während diese immer kopfloser agierten und sich zunehmend aufgaben. Delitzsch gewann somit zum zweiten Mal auswärts in der Mitteldeutschen Oberliga mit 14 Toren Differenz. Dies gelang in der letzten Saison in Hermsdorf, als die Delitzscher mit 31:17 gewannen. Auch wurde der vereinsinterne Rekord von acht Siegen in Folge eingestellt. Mit dieser Siegesserie kann Delitzsch zudem, wie zu Saisonbeginn gefordert, am Ende unter den besten fünf Mannschaften landen.
Kapitän Jan Jungandreas: „Das war heute wieder ziemlich cool. In der 1. Halbzeit haben wir noch viele leichte Fehler gemacht. Wir bleiben aber gerade auch in kritischen Situation fokussiert und glauben an unsere Stärke. In der 2. Halbzeit ging bei uns dann alles – und beim Gegner nichts mehr. Solche Tage gibt es, das haben wir aber auch schon andersrum erlebt.“
Nächste Woche ist Apolda zu Gast in Delitzsch, eine Mannschaft die seit sieben Spielen ungeschlagen ist (vier Siege, drei Unentschieden). Das wird alles andere als ein Selbstläufer. Aber welches Spiel ist das schon in dieser Oberliga.
Sven Sauerbrey, Jens Teresniak / Leipziger Volkszeitung vom 12.März 2018

Sonntag, 4. März 2018

NHV - SG Pirna/Heidenau 26:23 (13:11)

Tapferes Schneiderlein disqualifiziert, Delitzsch gelingt der siebte Streich

Die Sieben ist schon eine besondere Zahl. Das tapfere Schneiderlein erlegte sieben Fliegen auf einen Streich, Rom wurde auf sieben Hügeln erbaut, sieben fetten Jahren folgten in Ägypten sieben magere Jahre, am siebten Tag ruhte Gott, nachdem er die Welt erschaffen hatte. Von Ausruhen oder Magerkost war bei den Oberliga-Handballern des NHV Concordia Delitzsch am Sonnabend nichts zu spüren. Das Team schlug den ESV Lok Pirna mit 26:23 (13:11) und landete den siebten Sieg in Folge. Die Concorden setzten sich damit im Spitzenquartett fest. Pirna kämpft dagegen um den Klassenerhalt.
„Es war ein verdienter Sieg für Delitzsch“, gab Gäste-Trainer Dusan Milicevic zu. Er sei trotzdem stolz auf seine Jungs, da sie eine hervorragende kämpferische Leistung gezeigt hätten. Concordia-Coach Wladimir Maltsev freute sich, dass nach dem Oberliga-Aufstieg vor anderthalb Jahren im vierten Spiel gegen Pirna der erste doppelte Punktgewinn eingefahren wurde. „Diese schlechte Geschichte können wir streichen.“ Er sei „richtig zufrieden“. Der Gast aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist nun kein Angstgegner mehr. „Den Bock haben wir umgestoßen“, so Concordia-Spieler Martin Müller.
Von Beginn an entwickelte sich das erwartete Kampfspiel. Der ESV ist bekannt für seine rustikale Gangart und stellte diese gleich unter Beweis. Offenbar etwas übermotiviert ging dabei ihr bester Torschütze Torsten Schneider zu Werke. Das „tapfere Schneiderlein“ kassierte bereits in der 15. Minute seine dritte Zwei-Minuten-Strafe und wurde damit disqualifiziert. Die Pirnaer Bank kritisierte nahezu jede Entscheidung der beiden Plauener Schiedsrichter Oliver Niedtner und Thomas Schüller, die konsequent durchgriffen. Nach einer Verwarnung gegen Milicevic folgte wenig später eine Zeitstrafe gegen den Mannschaftsverantwortlichen Uwe Heller.
Der NHV, der ohne den an Grippe erkrankten Daniel Sowada und mit dem erkältungsgeschwächten Kapitän Jan Jungandreas antrat und bis April auf den verletzten Patrick Baum verzichten muss, profitierte nur wenig von der selbst verschuldeten Schwächung der Gäste. Dafür gab es zu viele Fehlpässe, zudem entschärfte Martin Dietze im Tor zahlreiche Würfe. Deshalb gelang es Delitzsch nur, einen kleinen Vorsprung herauszuarbeiten. Auch nach dem Seitenwechsel kämpften beide Mannschaften weiter mit allen sieben Sinnen. Die Gastgeber legten in Sachen Härte zu und kassierten insgesamt acht Hinausstellungen, Pirna dagegen nur fünf. In der 37. Minute flog Abwehrorganisator Oliver Wendlandt nach der dritten Zeitstrafe vom Platz. Müller schlüpfte nahtlos in die Deckungsrolle. Trotzdem drohte die Partie zu kippen. In der 38. Minute ging Pirna mit 17:16 in Führung, doch Oskar Emanuel aus der Eisenbahnerstadt Delitzsch verwies die Lokomotive in ihre Schranken und erzielte im Gegenzug den Ausgleich.
In dieser Phase war es vor allem Keeper Felix Herholc, der die Gäste schier zur Verzweiflung brachte und mit einer Glanzparade nach der nächsten aufwartete. Er habe nur das befolgt, was der Trainer vorher gefordert hätte, sagte Herholc. Denn Maltsev hatte vor der Begegnung darauf hingewiesen, dass in diesem Spiel eine überragende Torhüterleistung ausschlaggebend sein dürfte.
„Herholc hat uns den Sieg gerettet“, lobte Müller. Der Torwart bewertete den Erfolg als „leistungsgerecht“. Für Sascha Meiner, der in den Schlussminuten mitentscheidend zwei Pirnaer Pässe abfing, war es „gut, dass wir gezeigt haben, dass wir auch knappe Partien gewinnen können“. Das Selbstvertrauen sei inzwischen groß genug. Es müssen also nicht immer klare Erfolge wie in der Vorwoche das 29:15 gegen Staßfurt sein.
Am nächsten Wochenende packen die Nordsachsen ihre Siebensachen, denn sie müssen beim Tabellenachten HSG Freiberg antreten. Das Hinspiel hatte Delitzsch mit 34:30 für sich entschieden.
Ulrich Milde, Leipziger Volkszeitung vom 5.März 2018

Samstag, 24. Februar 2018

NHV - HV Rot-Weiß Staßfurt 29:15 (13:9)

Staßfurt zerschellt am Delitzscher Bollwerk

Die Handballer des NHV Concordia Delitzsch bleiben auch im sechsten Spiel hintereinander ungeschlagen. Sie besiegten am Sonnabend den HV Rot- Weiß Staßfurt 29:15 (13:9). Für einen Sprung auf die Medaillenränge der Mitteldeutschen Handball- Oberliga hat es zwar noch nicht gereicht, aber die Tendenz ist eindeutig. Zumal die Delitzscher ein Spiel weniger absolviert haben als die vor ihnen platzierten Teams aus Köthen und Plauen. Am kommenden Wochenende kann der NHV seine Bilanz beim nächsten Heimspiel gegen Lok Pirna weiter verbessern.
Für die Staßfurter wird mit dieser Auswärtsniederlage in der Loberstadt dagegen die Luft im Abstiegskampf ziemlich dünn. Sie rutschten auf den letzten Tabellenplatz ab. Staßfurts Trainer Sven Liesegang hatte sich vor der Partie gegen Concordia Delitzsch sehr deutlich geäußert: „Wir haben nichts zu verlieren.“ Genau so präsentierte sich dann auch sein Team, wollte unbedingt mit Punkten im Gepäck heimkehren. Doch viel mehr als einen guten Eindruck hinterließen die Liesegang-Schützlinge bei ihrem Auftritt in der Mehrzweckhalle nicht.
Nur in der Anfangsviertelstunde hielten die Gäste mit, weil die Concorden Geschenke verteilten. Zwar meinte Daniel Sowada, der Jüngste in der NHV- Aufstellung, nach Spielschluss, dass sich die Mannschaft strikt an den Fahrplan des Trainers gehalten hätte. Doch so richtig glaubhaft klang das, zumindest auf die Anfangsphase bezogen, nicht. Wenn es dennoch so war, ist der NHV abgezockter als gedacht. Erst den Gegner aufbauen, dann gnadenlos niederstrecken.
Die Delitzscher präsentierten sich zunächst unkonzentriert, es passierten zu viele einfache Fehler, Ballverluste im Angriff bestraften die Staßfurter konsequent. Zu begründen ist diese vergleichsweise schwache Phase nur damit, dass sich die Maltsev-Truppe vor allem selbst Druck machte, sich beeindrucken ließ und nicht ins Spiel fand. Sie wollte die Siegesserie nicht abbrechen lassen und den Fans unbedingt ein gutes Spiel liefern. All das blockierte die Köpfe der Jungs offenbar, ließ sie nicht frei genug aufspielen. Hinzu kam, dass sie Sebastian Retting, den Rückraumschützen der Staßfurter, zunächst nicht in den Griff bekamen. Er warf fünf seiner insgesamt sieben Tore in den ersten 16 Minuten. Franz Flemming im Tor der Concorden konnte sich da noch so sehr anstrengen – was er und später Spannemann Felix Herhoc zweifellos mit zunehmenden Erfolg taten – zu halten waren diese Bälle kaum.
Ab der 17. Minuten schienen die Hausherren den Schalter gänzlich umgelegt zu haben. Der bis dahin vorhandene Zwei-Tore-Rückstand wurde egalisiert. Die Concorden marschierten. Sie störten das Angriffsspiel der Staßfurter frühzeitig und nahmen Retting mit Manndeckung quasi aus dem Spiel. Zunächst erfüllte die Aufgabe Daniel Sowada, dann auch Niklas Prautzsch mit Bravour. Letzterer gab nach einem Jahr Handball-Abstinenz (Kreuzbandriss im Januar 2017) sein Comeback. Dass er in der 56. Minute sogar noch ein Kontertor erzielen konnte, machte seinen Start perfekt. Und dann lief es bei den Concorden wie es nicht hätte besser laufen können. Zur Pause führten sie 13:9. Selbst der Halbzeitstand hätte höher ausfallen können, wenn manche Torchance konsequenter genutzt worden wäre.
Im zweiten Teil des Spiel lief es wie geschmiert. Dass Spielmacher Sascha Meiner fehlte, schien die Mannschaft nicht zu schwächen. Concordia baute den Vorsprung kontinuierlich aus. Als der Zehn-Tore-Abstand erreicht war, brach die Moral der Staßfurter gänzlich ein. Sie schienen stehend K.o. Wenn es denn Gegenwehr gab, dann nur noch sporadisch und mit dem letzten Mut des Ertrinkenden.
Concordias Trainer Wladimir Maltsev schien mit dem Spiel und dem Ergebnis zufrieden, sah aber dennoch Reserven im Zusammenspiel. Zufriedenheit ist, subjektiv betrachtet, eben doch sehr verschieden.
Ditmar Wohlgemuth, Leipziger Volkszeitung vom 26.Februar 2018

Samstag, 3. Februar 2018

HC Einheit Plauen - NHV 23:27 (10:15)

Unaufhaltsam

Der Höhenflug des NHV Concordia Delitzsch in der Handball-Oberliga hält an. Am Samstagabend gewann die Mannschaft von Trainer Wladimir Maltsev bei Einheit Plauen mit 27:23 (15:10), feierte den fünften Sieg hintereinander, ist auf Tabellenplatz vier angekommen und im Jahr 2018 noch immer ohne Punktverlust.
Selbst die personell immer kritischere Lage lässt die Concorden momentan offenbar unbeeindruckt. Ohne Danny Trodler, Patrick Baum, Clemens Schlegel, Jörg Reimann und Niklas Prautzsch blieben neun Feldspieler, die ihre Sache aber mehr als nur gut machten, auch weil der Coach einen Plan hatte. „Wegen unseren vielen Ausfälle haben wir alles auf die Deckung gesetzt. Die Jungs haben eine Riesenarbeit geleistet, gepaart mit einer klasse Torhüterleistung. Deswegen hatten wir auch mehr Selbstvertrauen im Angriff. Jeder hat für jeden gekämpft“, sagte Maltsev.
In den ersten Minuten war von Tempohandball hüben wie drüben wenig zu sehen. Die Angriffe wurden sehr behutsam aufgebaut und beide Mannschaften waren eher darauf bedacht, die Fehler auf ein Minimum zu reduzieren. Erst durch die Hereinnahme von Daniel Sowada und Oskar Emanuel wurde das Delitzscher Offensivspiel flexibler und vor allem schneller. Damit war die Abwehr der Plauener überfordert und der NHV setzte sich dank eines 5:0-Laufes auf 10:6 ab.
In dieser Phase merkte man, wie groß die Verunsicherung der abstiegsbedrohten Gastgeber ist. Der sonst so starke Rückraum kam überhaupt nicht in die Gänge, sodass der Rückstand bereits zur Pause entsprechend deutlich ausfiel. Nach Wiederbeginn verkürzte Plauen zunächst auf 12:15. Die Jungs vom Lober blieben allerdings unbeeindruckt. Angeführt von einem einmal mehr überragenden Sascha Meiner zogen die Concorden vorentscheidend auf 21:14 davon. „Im Angriff hat vor allem Sascha immer die richtige Entscheidung getroffen. Das war saustark und jedem einzelnen gebührt ein Kompliment“, befand Kapitän Jan Jungandreas.
Am Kreis mutierte derweil Oliver Wendlandt zum Alleinunterhalter – und entdeckte dabei ungeahnte Torjäger-Qualitäten. Der sonst als Defensivspezialist eingesetze 2,03-m-Riese schenkte Plauen satte fünf Mal ein. In der Schlussphase jedoch ließ sich die menschliche Schrankwand vom Publikum provozieren und sah nach seiner dritten Zeitstrafe die Rote Karte. Einheit setzte alles auf eine Karte, agierte mit siebtem Feldspieler und kam noch einmal auf 21:18 heran.
Doch momentan lassen sich die Delitzscher offenbar von gar nichts aus der Ruhe bringen. Trotz der nun noch dünneren Personaldecke zogen sie das Tempo noch einmal an. Plauen erlaubte sich zu viele einfache Fehler, sodass die Schlussphase zu einem vergleichsweise entspannten Schaulaufen geriet.
Mit Blick auf die anstehenden drei Wochen Pause sagte Jungandreas nach der Partie in Plauen: „Jetzt heißt es, Wunden heilen und dann mit viel Selbstvertrauen ins letzte Saisondrittel gehen und weiter die Gegner ärgern.“ Die nächste Möglichkeit dazu besteht am 24. Februar, wenn Staßfurt in der Mehrzweckhalle gastiert. Mit dem Tabellenvorletzten hat der NHV aus der Hinrunde noch ein Hühnchen zu rupfen, damals gab es eine 26:29-Niederlage.
Sven Sauerbrey / Jens Teresniak, Leipziger Volkszeitung vom 5.Februar 2018

Samstag, 27. Januar 2018

NHV - HG 85 Köthen 29:26 (16:12)

Concordia gewinnt Zerreißprobe

Einer machte nicht mit. Als die Oberliga- Handballer des NHV Concordia Delitzsch nach dem Schlusspfiff einen Kreis bildeten und hüpften, stand Clemens Schlegel notgedrungen in der Mitte und verharrte bewegungslos mit bandagiertem Knöchel. Die Freude überwog den Schmerz, denn die Gastgeber hatten zuvor den Tabellenzweiten HG 85 Köthen überraschend mit 29:26 geschlagen. „Das war heute definitiv ein harter Kampf“, sagte Schlegel. „Die Mannschaft hat am Ende das Ruder herumgerissen.“
Mit dem doppelten Punktgewinn festigten die Nordsachsen mit 16:14 Punkten den sechsten Tabellenplatz und fuhren den vierten Sieg in Folge ein. Die Köthener mussten nach dreizehn ungeschlagenen Begegnungen erstmals wieder den bitteren Geschmack der Niederlage herunterschlucken. Was Coach Svajunas Kairis, der am Sonnabend die Trainer- gegen die Spielerbank tauschte und auch ein Tor erzielte, nicht ganz gelang. „Wir hatten mehrere Ausfälle zu verkraften“, sagte er. Aber ausschlaggebend für die Niederlage seien die beiden Schiedsrichter Max Reimann und Stanislav Schukin aus Magdeburg gewesen: „Sie haben uns in der entscheidenden Phase das Genick gebrochen.“
Eine recht eigenwillige Sichtweise. Denn das Team aus der Welthauptstadt der Homöopathie – deren Begründer Samuel Hahnemann wirkte dort viele Jahre – teilte in der Abwehr nicht mit human homöopathischen Dosen aus, sondern ging extrem hart zur Sache. Concorden-Kreisläufer Schlegel dürfte froh gewesen sein, dass der Verein offenkundig auf Top-Qualität bei den Trikots geachtet hatte, denn seines überstand die unzähligen Reißproben unbeschadet. Neben Schlegel verletzte sich auch Sascha Meiner nach einem Köthener Foul, humpelte zunächst vom Platz, kehrte aber kurz danach zurück. „Das war pures Adrenalin, ich wollte unbedingt weiterspielen.“ Verständlich, denn mit neun Treffern war er der erfolgreichste Werfer des Abends. Die Gäste kassierten sieben Zwei- Minuten-Strafen, Martin Lux sah in der 36. Minute sogar glatt Rot. Dagegen wurden die Delitzscher von den konsequent und ausgewogen leitenden Unparteiischen nur viermal mit einer Zeitstrafe belegt.
Mehrere Ausfälle hatten auch die Gastgeber zu verzeichnen. Patrick Baum wird wegen einer Knieverletzung noch bis März fehlen, Tobias Bauske (Knie) konnte gegen Köthen ebenfalls nicht mitmischen, Jörg Reimann war beruflich verhindert. Doch davon ließ sich der NHV nicht beeindrucken. Dank der vorherigen drei Siege in Folge war das Selbstvertrauen deutlich sichtbar gestiegen. So entwickelte sich von Beginn an eine packende und zunächst ausgeglichene Partie. Der Tabellenzweite ging in Führung, prompt glich Delitzsch aus. So ging es bis zu 22. Minute. Oskar Emanuel brachte mit seinem Treffer zum 12:11 die Heimmannschaft das erste Mal in Front – und plötzlich lief es noch besser. Bis zur Halbzeit baute Delitzsch den Vorsprung auf 16:12 aus. Die Überraschung lag also in der Luft.
Doch danach stellte Köthen seine Routine und Klasse unter Beweis. Angetrieben von den Außenspielern Stefan Luther (links, sieben Tore) und Steven Just (rechts, sieben Tore) kämpften sie sich heran und lagen in der 48. Minuten beim Stand von 20:21 wieder vorn. „In dieser Phase haben wir etwas den Faden verloren“, räumte NHV-Trainer Wladimir Maltsev ein. „Doch wir haben uns super zurückgekämpft“, lobte Danny Trodler seine Mannschaft, die den Spieß wieder umdrehte.
„Wir wollten unbedingt gewinnen und haben eine super kämpferische Leistung hingelegt“, meinte auch der 20-jährige Daniel Sowada, der drei Minuten vor Abpfiff für das wichtige 26:25 sorgte. Bezeichnend, dass der nur ein Jahr ältere Jonas Meiner den Vorsprung wenig später entscheidend auf 27:25 ausbaute. „Auch unsere jüngeren Spieler haben Verantwortung übernommen“, freute sich Maltsev. Die Mischung habe gestimmt. Richtig, denn den Schlusspunkt in allerletzter Sekunde zum 29:26 setzte mit Abwehrorganisator Oliver Wendlandt dann ein 31-Jähriger.
Ulrich Milde, Leipziger Volkszeitung vom 29.Januar 2018

Samstag, 20. Januar 2018

USV Halle - NHV 25:34 (11:18)

NHV zündet die Düsen und fegt Halle aus der Halle

Was für ein Auftritt, was für ein Erfolg: Der NHV Concordia Delitzsch hat in der Mitteldeutschen Handball-Oberliga den dritten Sieg in Folge eingefahren und dabei ein deutliches Machtwort gesprochen. Beim anno 2018 bis dato ebenfalls ungeschlagenen USV Halle feuerte die Mannschaft von Trainer Wladimir Maltsev aus allen Rohren und gewann 34:25 (18:11).
Der bekanntlich leicht entflammbare NHV-Vize Sören Raab griff anschließend in die oberste Lobeshymnen-Schublade: „Das war eine großartige Mannschaftsleistung, die beste der Saison. Wir hatten heute auf jede Aktion des Gegners eine Antwort, egal ob Halle mit 6:0, 5:1, 4:2 oder 3:3 verteidigt hat. Unsere Jungs waren vorbereitet und haben das optimal gelöst.“ Dabei fielen bei den Gästen mit Kapitän Jan Jungandreas, Lucas Mittag (beide krank) und dem verletzten Patrick Baum gleich drei Leistungsträger aus.
Vom Ausfall der beiden Linkshänder Jungandreas und Mittag profitierte insbesondere Tobias Bauske, der bisher in dieser Saison über den Status Edelreservist kaum hinausgekommen war. In Halle gelangen ihm fünf Tore – und damit fünfmal so viele wie in der gesamten Spielzeit. Der Coach verzichtete freilich darauf, Einzelne herauszuheben, sondern hob das Kollektiv hervor: „Der Unterschied war, dass meine Jungs heute deutlich mehr Willen gezeigt haben, das Spiel zu gewinnen. Jeder Einzelne hat seine Aufgabe zu 120 Prozent erfüllt. Heute hat alles gut geklappt, besonders in der Abwehr. Jeder hat für jeden um jeden Zentimeter gekämpft. Alles in allem muss ich meinen Jungs heute ein großes Kompliment für eine richtig tolle Leistung aussprechen.“
Trotz schmalen Kaders drückten die Delitzscher von der ersten Sekunde an aufs Tempo und suchten immer wieder schnell den Abschluss. Das schmeckte Halle so gar nicht, bereits nach dem 2:2 mussten die Hausherren abreißen lassen und fanden nie mehr zurück ins Spiel. Die NHV- Deckung war kaum zu überwinden und vorn spielten die Gäste ihre Tore klug heraus. So stand es bereits zur Pause 18:11 für die Maltsev-Sieben. Überraschend, aber völlig verdient
Nach dem Wechsel blieb das Team souverän. Selbst diverse Provokationen der Hallenser und eine dreifache (!) Unterzahl brachten Sascha Meiner (mit elf Toren bester Schütze) und Co. nicht aus der Fassung. In der Hinrunde wäre das Spiel in dieser Phase womöglich noch einmal gekippt, nun allerdings scheint die Mannschaft gefestigt.
Das Schlusswort gebührt dem bisher so wenig zum Zuge gekommenen Tobias Bauske, der in den Personalsorgen an diesem Tag einen Schlüssel zum Erfolg ausmachte. „Vielleicht war es für Halle auch so schwer, unser Spiel zu kontrollieren, weil sie sich auf die Formation, die auf der Platte stand, nicht vorbereiten konnten.“ Und wie geht es ihm persönlich, nachdem er endlich mal wieder zeigen durfte, was in ihm steckt? „Es ist schön zu sehen, dass ich es noch kann. Wenn Lucas und Jan wieder fit sind, werden die Karten aber wieder neu gemischt.“
Fürs Erste können sich die Concorden jedoch an einem ausgeglichenen Punktekonto samt Rang sechs erfreuen. Der Tabellenzweite HG Köthen kann also kommen – und er wird kommen. Am Sonnabend, 19 Uhr, wollen die Concorden vor heimischer Kulisse weiter an ihren perfekten Bilanz 2018 schrauben.
Sven Sauerbrey / Jens Teresniak, Leipziger Volkszeitung vom 22.Januar 2018

Samstag, 6. Januar 2018

NHV - HC Elbflorenz Dresden II 31:22 (12:9)

Concordia gelingt Wiedergutmachung

Es war ein gutes Omen, Als die Oberliga- Handballer des NHV Concordia Delitzsch am Sonnabend einliefen, wurden sie von Spielerinnen der D- Jugend begleitet. Das Nachwuchs-Team um die Trainer Christine Petermann, Marcus Kalbe und Michael Münch hatte wenige Stunden zuvor mit einem 17:7 einen klaren Sieg in Leisnig eingefahren. Die zufällige Inspiration gelang. Mit einem haushohen 31:22-Erfolg im Sachsenderby gegen den HC Elbflorenz II gelang die Wiedergutmachung nach der 20:30- Klatsche im vorherigen Heimspiel gegen Plauen-Oberlosa.
Schon eine Stunde vor dem Anpfiff war die Stimmung bei den Concorden prima. Sascha Meiner, Danny Trodler und Felix Herholc bolzten mit einem Fußball, hatten sichtlich Spaß dabei. Und auch das Publikum war nicht nachtragend, unterstützte das Team lautstark von Anfang an. „Die Zuschauer standen toll auf unserer Seite“, freute sich Mannschaftskapitän Jan Jungandreas. So entwickelte sich in der ersten Halbzeit ein flottes Spiel. Dem NHV war in jeder Phase anzumerken, dass die Blamage wettgemacht werden sollte. „Wir haben ein Stück weit zu alter Stärke zurückgefunden“, meinte Trodler. „Wir wollten zeigen, dass wir es besser können“, ergänzte Trainer Wladimir Maltsev. Es wurde gekämpft, einer war für den anderen da, die Zusammenarbeit funktionierte, im Angriff war Dynamik und Bewegung, wodurch der Druck auf das Tor der Gäste aus der Landeshauptstadt groß war. Jungandreas: „Wir haben viele Angriffe schön herausgespielt.“
Die Gastgeber gingen mit 1:0 durch Patrick Baum in Führung – den Dresdnern gelang es kein einziges Mal, einen Vorsprung zu erzielen. Zunächst war das Spiel des NHV geprägt durch den starken Rückraum. Trodler, der zu alter Stärke zurückgefunden hatte, Baum und Lucas Mittag waren zuverlässige und erfolgreiche Werfer. Von vornherein sicher stand die Deckung, überragend organisiert vom später zum Spieler der Begegnung ausgezeichneten Oliver Wendlandt, der sich zudem als dreifacher Torschütze auszeichnete. So gingen die Gastgeber mit 12:9 in die Halbzeit. Der Vorsprung hätte höher ausfallen können, doch Gäste-Keeper Marcel Balster, der auch gelegentlich in der „Ersten“ seines Vereins eingesetzt wird, war ein wahrer Hexer zwischen den Pfosten. Gecoacht wurden der HC von Rico Göde, sonst Co-Trainer des Zweitbundesligisten. Der zweifache Nationalspieler war von 2001 bis 2006 bei Concordia Delitzsch unter Vertrag. „Ich bin oft hier, aber es ist mein ersten Spiel gegen Delitzsch“, sagte der 35-Jährige. Dessen Gesicht zu Beginn des zweiten Abschnitts deutlich länger wurde. Denn die Concorden erwischten einen Auftakt nach Maß, erzielten sechs Tore in Folge und bauten den Vorsprung auf neun Treffer aus.
Erst in der 40. Minute gelang Egbert Erler das erste Tor der Elbestädter im zweiten Durchgang. „Diese Phase war schmerzhaft für uns“, räumte Göde ein. Die Gastgeber ließen nicht locker und sich auch von einer doppelten Unterzahl, als Mittag und Martin Müller kurz hintereinander Zwei-Minuten- Strafen kassierten, nicht bremsen. „Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass wir verlieren könnten“, sagte Jonas Meiner. Souverän wurde der Gegner in seine Schranken gewiesen. Dazu trug auch Torwart Franz Flemming bei, der zwei Siebenmeter parierte. Maltsev konnte munter durchwechseln, ohne dass der Spielfluss gestört wurde.
Trodler gab zu, dass der hohe Erfolg auch auf die Verletztenmisere des HC zurückzuführen war. So fielen die Top-Schützen Kay Blasczyk und Philipp Grießbach aus: „Das relativiert die Höhe unseres Erfolges vielleicht ein wenig, ändert aber nichts an unserer guten Leistung.“ Jonas Meiner betonte: „Es war eine geschlossene Mannschaftsleistung.“ Die zehn Tore von Routinier Alexander Matschos waren nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Elbflorenz rutschte vom dritten auf den vierten Platz ab.
Die Concorden verbesserten sich zum Hinrunden-Abschluss mit 12:14 Punkten vom zehnten auf den neunten Platz. Maltsev zeigte sich mit dem Erreichten nicht unzufrieden. „Mit etwas mehr Glück in engen Begegnungen hätten es allerdings ein paar Punkte mehr sein können.“ In der Rückrunde komme es darauf an „mehr Konstanz reinzubringen“. Ziel sei ein guter Mittelfeldplatz.
Ulrich Milde, Leipziger Volkszeitung vom 8.Januar 2018